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Hedgefonds – Teufelszeug oder alternatives Anlagevehikel?

Hedgefonds haben einen zweifelhaften Ruf. Mit ihren Spekulationen auf fallende Kurse waren sie nach Meinung einiger Politiker mitschuldig an der Euro-Krise und an unzähligen Kursdebakeln. Wie zuletzt geschehen bei dem Dax Konzern Wirecard. Ursprünglich wurden Hedgefonds gegründet, um Investoren gegen bestimmte Risiken abzusichern. Daher der Name, der sich vom englischen Wort für Absichern – „hedging“ – ableitet. Mittlerweile haben diese speziellen Investmentvehikel mit Absicherung nicht mehr viel zu tun – im Gegenteil: Meist zeichnen sich die alternativen Anlagevehikel durch eine besonders riskante Anlagestrategie aus. Sie spekulieren mit Optionsscheinen und Termingeschäften auf bestimmte Kursbewegungen oder verkaufen Positionen, die sie gar nicht besitzen.


Diese sogenannten Leerverkäufe sind der Politik ein Dorn im Auge, weil sie an der Börse ein Überangebot bestimmter Wertpapiere suggerieren, welches es de facto gar nicht gibt. In Krisenphasen können Leerverkäufe den Kursverfall somit zusätzlich beschleunigen. Deshalb wurden sie nach der Pleite von Lehman Brothers zeitweise verboten. Der Hedgefonds verdient an solchen Kursverlusten, weil er die leer verkaufte Aktie später zu den dann niedrigeren Preisen einkaufen kann. Die Differenz aus dem Leerverkaufspreis und dem Rückkaufpreis ist sein Gewinn.

Basierten die ersten Hedgefonds-Strategien vor allem auf dem gezielten Hebeln der Kurse über Terminkontrakte, Leerverkäufe oder Derivate, so verfolgen die Fonds mittlerweile zunehmend die Strategie, winzige Kursunterschiede für ein und dasselbe Wertpapier an verschiedenen Börsenplätzen für sich auszunutzen. Damit sich mit solchen Kursdifferenzen ein annehmbarer Gewinn erzielen lässt, muss der Fonds seinen Einsatz vervielfachen. Oft werden solche Geschäfte in kürzester Zeit über Computer abgewickelt.

Aufgrund ihrer hohen Risikoneigung waren Hedgefonds ein gern gesehener Geschäftspartner bei der Verbriefung von Krediten. Oft waren sie als Einzige bereit, die Tranchen mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit zu zeichnen – im Gegenzug dafür versprachen ihnen die Emittenten eine zweistellige Verzinsung, falls das gesamte Kreditportfolio bedient würde. Auch am Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) stehen Hedgefonds als Gegenpartei bereit, wenn Investmentbanken ihre eigene CDS absichern wollen. Einige Fonds haben dabei gezielt auf den Ausfall einzelner Kreditportfolien und Staatsanleihen gesetzt.

Aufgrund den Erfahrungen der Finanzkrise 2008 / 2009 wurden Hedgefonds im Oktober 2010 durch die EU umfassend reguliert. Vorschriften zu einem höheren Eigenkapital bremsen nun ihre Möglichkeiten, auf Kredit zu spekulieren. Die Forderungen, ihre Anlagestrategien offenzulegen, könnten ihren Gewinn schmälern. 

Um einer strengeren Aufsicht zu entgehen, sind viele Hedgefonds in Finanzoasen angesiedelt und als Konsequenz daraus für den EU Privatanleger nicht investierter.  Auf den Kaiman-Inseln oder den Bermudas locken neben lockeren Kapitalmarktregeln auch niedrigere Steuern und Transaktionsgebühren. Unabhängig vom Sitz ihres Fonds sitzen die Hedgefonds-Manager aber meistens an den Finanzplätzen New York und London. Dort würden sie zumindest von der geplanten Transaktionssteuer voll getroffen.


Welche Hedgefonds sind für deutsche Privatanleger investierbar?

Privatanleger dürfen sich in Deutschland wegen des hohen Risikos nur über sogenannte Dach-Hedgefonds beteiligen, die an der Börse gehandelt werden. Einzelne Hedgefonds dürfen nur im Wege einer Privatplatzierung an Privatanleger verkauft werden. In der Praxis findet das nicht statt, da die Mindestbeteiligung oft bei 100 000 Euro und höher liegt. Die Kursentwicklung der wenigen in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Produkte ist mäßig und die interessanten Hedgefonds warten mit erheblichen Mindestsummen auf, so dass dieses Segment für Privatanleger als wenig lukrativ erscheint.